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Die Hungerstrategie

Seit einiger Zeit wird in verschiedenen online-Foren die sogenannte Hungerstrategie diskutiert. Der Spieler verzichtet dabei auf die Nahrungsbeschaffung, sowohl über die Ackerbauleiste als auch über die Jagd und nimmt über weite Teile des Spiels einen 10-Punkteabzug in Kauf. Als Ausgleich versucht er, so schnell wie möglich, seine Personenzahl zu erhöhen und alle seine Personen für den Erwerb von Rohstoffen und weiterhin für Zivilisationskarten und Gebäude einzusetzen.

Zuerst möchte ich sagen, dass es von mir als Autor und von den Testgruppen als ‚Co-Autoren‘ durchaus gewollt war, diese Strategie als Alternative zu anderen Strategien zuzulassen. Schließlich spielt StoneAge in einer Zeit, in der sich der Handel und überhaupt die Arbeitsteilung rasant entwickelt hat. Es war also, wenn ich die archäologische Literatur nur ein wenig verstanden habe, durchaus möglich, ohne Ackerbau und Jagd zu überleben. Dies sollte sich auch im Spiel wiederfinden.

StoneAge wurde, wie alle Spiele des HiG-Verlags und unabhängig vom jeweiligen Autor, sehr viel und lange getestet, vielleicht 100 mal oder mehr. Das betrifft alle Entwicklungsstadien des Spiels zusammen, nicht nur die endgültige Form, die das Spiel jetzt hat.

Bei diesen Tests spielten wir auch Hungerstrategien. Wir probierten dabei verschiedene Sanktionen aus, wenn ein Spieler seine Personen nicht ernähren konnte oder wollte. Es fanden sich schnell zwei ‚Strafen‘, die eine Hungerstrategie unmöglich machten: Der Spieler verliert 1 Person (mehr benötigt es unserer Erfahrung nach gar nicht) oder er muss zu der restlichen Nahrung auch noch Rohstoffe im Verhältnis 1:1 abgeben, bis er alle Personen ernährt hat. Diese Sanktionen wären vielleicht realitätsnäher gewesen, hätten aber zwei entscheidende Nachteile gehabt. Erstens wäre damit eine Art Hungerstrategie überhaupt nicht möglich gewesen und wir wollten sie, wie schon erwähnt, möglich machen. Zweitens würden derartige ‚Strafen‘ den Gelegenheitsspieler, für den StoneAge durchaus auch gedacht ist, zu hart treffen, wenn er einmal übersieht, dass er seine Personen nicht ernähren kann.

Auf jeden Fall spielten wir dann zunächst mit 5 Punkten Abzug. Das war aber zu wenig, wie uns besonders unsere tschechischen Partner nach eingehenden Tests bestätigten. Aus all dem wurden schließlich die 10 Punkte Abzug.

Inzwischen wurde StoneAge erfreulicherweise wohl schon wesentlich öfter gespielt als in allen unseren Testrunden. Und vielleicht ist eine Hungerstrategie doch stärker, als wir es in unseren Runden gemerkt hatten.

Dennoch lassen die Diskussionsbeiträge, die ich über die Hungerstrategie gelesen habe, nicht den Schluss zu, dass es sich dabei um eine unwiderlegbare Siegstrategie handelt. Die Strategie dürfte stark sein, wenn die Mitspieler sie zulassen. Aber die Erfahrung vieler Diskussionsteilnehmer geht wohl dahin, dass man dagegen halten kann.

In Kürze wird StoneAge auf der Brettspielwelt gestartet. Ich nehme an, dass die Hungerstrategie auch dort sehr gerne ausprobiert wird und ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse. Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass es eine nicht widerlegbare Siegstrategie ist, müssten wir nachträglich eine der erwähnten Sanktionen zur Regel machen. Mir persönlich würde das Leid tun, denn eine reizvolle Möglichkeit wäre dann nicht mehr gegeben. Aber dann müsste ich mich bei den bisherigen Käufern und Spielern entschuldigen, ein nicht hundertprozentig getestetes Spiel veröffentlicht zu haben.

Warten wir ab, was die zukünftigen Spiele bringen werden. Bis dahin wünsche ich allen weiterhin viel Spaß und Spannung mit StoneAge.

Ihr/Euer Autor und Verleger
Bernd Brunnhofer (Michael Tummelhofer)

 

 

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